Partizipation und Selbstorganisation wohnungsloser Menschen

Editorial:

Fragen der Partizipation und Selbstorganisation gewinnen auch in der Wohnungslosenhilfe seit Jahren an Bedeutung und auch das 2001 verabschiedete Grundsatzprogramm der BAG Wohnungslosenhilfe trägt dieser Entwicklung Rechnung, wenn es postuliert, dass „stationäre, teilstationäre und ambulante Hilfeangebote gemeindeund bürgernäher organisiert und die Partizipation wohnungsloser Menschen erhöht werden“ müssen, um eine kontinuierliche Verbesserung der Qualität von Hilfe zu gewährleisten.

Peter Szynka erläutert in zwölf Thesen wesentliche Voraussetzung für eine Partizipation wohnungsloser Menschen und verweist mit dem Konzept des Community Organizing auf mögliche Formen der Organisierung von Partizipation in einem Bereich, in dem Partizipationschancen gemeinhin ungleich verteilt sind. Mit dem Konzept des Empowerment richtet Beate Blank den Blick auf die Fragen nach den Teilhabechancen wohnungsloser Menschen in den Strukturen Sozialer Arbeit und fragt nach den Interdependenzen von Empowerment und der Förderung von Ressourcen, die eine grundlegende Voraussetzung für Teilhabe sind.

Stefan Thomas geht in seinem Beitrag der Frage nach, welche Rolle Partizipation, Empowerment und Selbstorganisation im Verhältnis zu einer für das Selbstverständnis des Hilfesystems an Bedeutung gewinnenden Professionalisierung spielt und ob und inwieweit beide Ansätze in einem Widerspruch zueinander stehen. Der Autor greift dabei auf Erfahrungen aus einem Forschungsprojekt zurück, über die er zusammen mit Prof. em. Dr. Jarg Bergold in einem weiteren Beitrag zum Schwerpunktthema berichtet. Präsentiert werden darin die vorläufigen Ergebnisse einer gemeinsam von Mitgliedern der Freien Universität Berlin und des St. Ursulaheims in Offenburg begonnenen Forschung, die der Frage nachgeht, wie die Ideen von Partizipation und Empowerment in einem Obdachlosenheim umgesetzt werden können und welche Konsequenzen dies für die beteiligten Menschen und die Einrichtung, aber auch für die soziale Umwelt und die Gesellschaft hat.

Thomas Specht skizziert vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um Partizipation und Selbstorganisation in Form eines Thesenpapiers zentrale Begriffe der Debatte, und warnt davor, die im Zuge von Hilfeprozessen von Helfern geregelte Partizipation schon als soziale Integration von Betroffenen zu begreifen. Vielmehr ist Partizipation als ein zentraler Baustein auf dem Weg zur weiteren Teilhabe an der Gesellschaft zu sehen.

Dr. Rolf Jordan
Fachreferent der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V., Bielefeld