Anhaltender Trend: wachsender Anteil junger Wohnungsloser, wohnungsloser Frauen und Wohnungsloser ohne jegliches Einkommen

29.09.2011

Statistikbericht der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. anlässlich der Auftaktsitzung zum 4. Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung

Bielefeld, 29. 09. 2011. Heute lädt die Bundesregierung den Beraterkreis zum 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung nach Berlin ein. Laut Bundesregierung soll Armut darin als „beeinflussbarer Prozess, der ja nach Lebensalter anders verläuft und andere Lebensbereiche betrifft“ betrachtet werden.

Die erste Sitzung des Beraterkreises nimmt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W) zum Anlass, wichtige Daten zur Entwicklung der Wohnungslosigkeit in Deutschland vorzustellen. Die BAG W ist der Dachverband der Dienste und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Deutschland.

Die Trends in Kürze

Die Zahl der jungen wohnungslosen Menschen steigt weiter an. 2010 waren bereits ein knappes Drittel der KlientInnen der Wohnungslosenhilfe unter 30 Jahre. 20% sind unter-25-jährig. In dieser Altergruppe ist der Anteil der jungen Frauen überproportional hoch: 31% sind jünger als 25, 43 % jünger als 30. Diese jungen Erwachsenen leben entweder ganz auf der Straße, in Abbruchhäusern oder kommen bei sog. Freunden und Bekannten unter. Dies sind häufig außerordentlich prekäre Wohn- und Lebensverhältnisse, die nicht selten von Gewalt und Missbrauch begleitet werden.

Die häufigen Sanktionen nach SGB II bei den jungen Erwachsenen und die immer seltener bewilligten Jugendhilfemaßnahmen für über 18-Jährige bewirken ein Übriges, so dass diese jungen Leute zunehmend sozial ausgegrenzt zu Wohnungsnotfällen werden.

Auch in 2010 steigt der Anteil der Frauen unter den Wohnungslosen erneut an und liegt inzwischen bei mindestens 25 %.

Zunehmend finden sich Menschen mit Migrationshintergrund und Ausländer in der Wohnungslosenhilfe. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund stieg von 14% in 2007 auf knapp 22 % in 2010. Diese Entwicklung verdeutlicht einmal mehr die Notwendigkeit spezifische Hilfeangebote für Menschen mit Migrationshintergrund zu entwickeln.

Auch 2010 verfügt etwa ein Viertel (25,4%) der KlientInnen der Wohnungslosenhilfe über keinerlei Einkommen. Von 2006 an ist der Anteil dieser vollkommen sozial isolierten und ausgeschlossenen Gruppe von damals 19 % auf den heutigen Wert angestiegen.

Angesichts dieser desolaten Lage, insb. bei den ganz jungen wohnungslosen Männern und Frauen, ist es nach Meinung der BAG W verheerend, dass die Bundesregierung mit ihrer Reform der Eingliederung in Arbeit („Instrumentenreform“) flächendeckende Kürzungen der bestehenden Eingliederungsangebote in den Arbeitsmarkt für wohnungslose Langzeitarbeitslose in Kauf nimmt. „Die Wohnungslosenhilfe hofft und erwartet, dass im Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung die Lebenslagen der wohnungslosen Menschen zur Kenntnis genommen und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung auf den Weg gebracht werden“, erklärte Thomas Specht, Geschäftsführer der BAG W am Rande des Treffens des Beraterkreises.